Die Sozialuntersuchung im Hinblick auf einen Hafturlaub

AdobeStock_218027450_c_by-studio

Nachdem ein Häftling eine gewisse Zeit der Gefängnisstrafe verbüßt hat, kann er Hafturlaube erhalten. Pro Trimester sind dies drei Mal 36 Stunden.

Ein Hafturlaub zielt darauf ab, auf die Entlassung aus der Haft vorzubereiten. Es ist aber auch wichtig, dass der Häftling durch die Ausgänge seine familiären, persönlichen und sozialen Beziehungen aufrechterhalten kann.

Sozialuntersuchung

Die Haftanstalt kann den Justizassistenten beauftragen, eine Sozialuntersuchung durchzuführen.

Der Justizassistent kontaktiert das Lebensumfeld, in dem der Häftling seinen Hafturlaub verbringen möchte, zum Beispiel Eltern oder Partner. Er vereinbart einen Termin für einen Hausbesuch. Um das Gespräch vorzubereiten, überprüft der Justizassistent das Strafregister des Gefangenen und der volljährigen Personen des Lebensumfeldes.

Bei einem Hausbesuch im Lebensumfeld führt der Justizassistent ein Gespräch mit allen volljährigen Personen des Haushaltes. Dies soll Aufschluss darüber geben, ob die materiellen, finanziellen und sozialen Begebenheiten dazu beitragen, dass der Hafturlaub gelingt. Er erfragt unter anderem:

  • welcher Beschäftigung der Häftling in den Augen des Lebensumfeldes nachgehen müsste, zum Beispiel sportliche Betätigung
  • welche Erledigungen er machen sollte. Zum Beispiel kann es in den Augen des Lebensumfeldes wichtig sein, dass der Häftling sich beim Arbeitsamt einschreibt
  • welche Bedingungen erfüllt sein sollten, damit der Hafturlaub gelingen kann. Zum Beispiel nimmt die Ehefrau ihn nur auf, wenn er keinen Alkohol trinkt
  • welche Möglichkeiten der Häftling ihrer Ansicht nach hat. Zum Beispiel haben die Eltern ein Vorstellungsgespräch organisiert
  • welche Hindernisse auftreten könnten. Zum Beispiel könnte in den Augen der Ehefrau der Kontakt zu einem drogensüchtigen Freund ein Problem darstellen

Der Justizassistent bespricht die relevanten Einträge in die Strafregister des Lebensumfeldes. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass die Person wegen Drogenhandels in Haft sitzt und der Vater, der sie aufnehmen möchte, zwei Jahre vorher wegen Drogengeschäften verurteilt wurde. Auch vergewissert der Justizassistent sich, ob das Lebensumfeld Kenntnis von den Straftaten des Häftlings hat.

Eine kritische Analyse der erhaltenen Informationen bringt der Justizassistent schlussendlich zu Papier. In dem Bericht beschreibt er seinen Standpunkt und macht Vorschläge, die zum Gelingen des Hafturlaubs beitragen können und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft voranbringen sollen. Sachdienliche Belege (zum Beispiel Bescheinigung eines Therapeuten, der den Häftling während des Hafturlaubes sehen kann) werden dem Bericht beigefügt.

Was ist eine Sozialuntersuchung?

 

Eine Sozialuntersuchung kann auch für andere Strafen und Maßnahmen von einer Behörde angefragt werden etwa eine Arbeitsstrafe oder bedingte Freilassung. In der Praxis wird der Justizassistent beauftragt, mit bestimmten Personen oder Einrichtungen Gespräche zu führen. Zum Beispiel prüft der Justizassistent, ob eine Bewährung in Frage kommt und unterhält sich mit der betroffenen Person im Büro oder an ihrem Wohnort. Oder er sieht den Beschuldigten im Gefängnis im Hinblick auf eine Alternative zur Untersuchungshaft.

 

Durch die Gespräche erhält der Justizassistent eine Reihe an Informationen, wie die aktuelle Lebenssituation des Betroffenen, seine Möglichkeiten, aber auch eventuelle Hindernisse. So kann der Justizassistent der auftraggebenden Behörde durch seinen Bericht ein vollständiges Bild vermitteln sowie angepasste und zukunftsorientierte Vorschläge machen. Dies hilft der Behörde, eine Entscheidung zu treffen.