Arbeitsstrafen als „Chance“ begreifen

Auch Einrichtungen profitieren von dem bewährten Modell

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Verurteilten die Möglichkeit zu geben, in Ihrer Einrichtung Sozialstunden zu verrichten? Dann kontaktieren Sie die Dienststelle für alternative Strafmaßnahmen – kurz DASM.

Was ist eine Arbeitsstrafe?

Das Gericht kann eine Person wegen verschiedener Straftaten, z. B. Verkehrsdelikte oder Diebstahl, zu einer Arbeitsstrafe, sogenannte „Sozialstunden“, verurteilen. Es kann eine Arbeitsstrafe allerdings nur aussprechen, wenn entweder die Person oder ihr Anwalt ihr Einverständnis gibt.

Die Arbeitsstrafe beträgt zwischen 20 und 300 Stunden und muss innerhalb eines Jahres ausgeführt werden. Die Jahresfrist beginnt, nachdem das Urteil rechtskräftig ist. Die Arbeitsstrafe wird kostenlos und während der Freizeit in verschiedenen Einrichtungen verrichtet, z. B.:

  • öffentlicher Dienst (z. B. Gemeinde, Feuerwehr)
  • gemeinnützige Organisationen (z. B. Tierheim, Altenheim, Krankenhaus)
  • Stiftungen mit sozialem, kulturellem oder wirtschaftlichem Ziel (z. B. Josephine-Koch Service)

Die Dienststelle für alternative Strafmaßnahmen

Dreh- und Angelpunkt bei der Vermittlung einer solchen Arbeit ist die Dienststelle für alternative Strafmaßnahmen (DASM). Nach einem Erstgespräch im Justizhaus wird der Straftäter gebeten, Kontakt mit der DASM aufzunehmen. Die Mitarbeiter dort kümmern sich um die Vermittlung und Begleitung der Straftäter. Darüber hinaus sind sie Ansprechpartner für die Einrichtungen, in denen Sozialstunden abgeleistet werden können.

Die passende Einrichtung finden

Die Mitarbeiter der DASM suchen gemeinsam mit den Straftätern nach einer passenden Einrichtung. Dabei berücksichtigen sie die Fähigkeiten, die Arbeitszeiten, den Wohnort und die persönliche Situation des Verurteilten.

Ist die passende Einrichtung gefunden, wird ein Termin zusammen mit der DASM, der Einrichtung und dem Verurteilten vereinbart. Bei diesem Gespräch wird besprochen, wie und in welchem Umfang der Straftäter die Arbeitsstunden ableistet. Zudem unterzeichnen die drei genannten Parteien eine Vereinbarung. „Die Einrichtungen haben auf jeden Fall ein Mitspracherecht! Sie können Personen ablehnen, Präferenzen angeben oder auch den Vertrag im Nachhinein kündigen, wenn die Zusammenarbeit doch nicht klappen sollte“, erklärt DASM-Mitarbeiterin Joëlle Threinen. 2019 landeten 365 Akten auf ihrem Tisch, 34.659 Arbeitsstunden wurden in 75 verschiedenen Einrichtungen abgeleistet. Sie kann verstehen, wenn Einrichtungen zunächst Bedenken haben, einem Verurteilten eine Tätigkeit in ihren eigenen Reihen zu ermöglichen. „Natürlich gibt es auch Menschen, bei denen es nicht klappt. Bei vielen funktioniert es aber sehr gut, wo die Einrichtungen sogar im Nachhinein froh über diese Hilfe waren“, weiß Joëlle Threinen.

Haben Sie Interesse?

Wären auch Sie daran interessiert, Straftäter in Ihrer Organisation aufzunehmen, damit diese ihre Arbeitsstunden bei Ihnen verrichten können? Dann melden Sie sich bei der Dienststelle für alternative Strafmaßnahmen oder im Justizhaus. Dort erhalten Sie weitere Auskünfte.

Besonders gefragt sind zurzeit verschiedene Archivarbeiten und leichte administrative Tätigkeiten. Gerade für Menschen mit körperlicher oder geistiger Einschränkung sind solche Arbeiten leichter durchführbar als manuelle oder komplexere Aufgaben.