Das Justizhaus Eupen leistet wichtige Betreuung für Opfer

Vom Einbruch bis zum Mord

Beraten, informieren und manchmal einfach nur zuhören. Die Aufgaben der Opferbetreuung des Justizhauses in Eupen sind vielfältig. Oft können über sie schon im Vorfeld eines Prozesses Ängste und Sorgen genommen werden.

Der sogenannte „Assisenprozess“ in Eupen war selbst für Sabine Demonthy und Sarah Fickers eine neue Erfahrung. Dabei haben die beiden Justizassistentinnen der im Justizhaus Eupen angesiedelten Opferbetreuung schon einiges erlebt und viele Schicksale kennengelernt. Der Mordfall Joseph „Juppi“ Lenaerts in Eupen, der 2020 zehn Tage lang vor Gericht verhandelt wurde, stellte jedoch eine vollkommen neue Dimension dar.

Seit Februar 2018 beschäftigt sich Sarah Fickers bereits mit diesem Gewaltverbrechen. Die zuständige Staatsanwaltschaft beauftragte sie, die leidgeprüfte Familie zu kontaktieren, um die Dienstleistungen der Opferbetreuung anzubieten. Eine Mammutaufgabe, denn acht der neun Geschwister bestellten sich als Zivilpartei. Und so kam beinahe die ganze Bandbreite der Opferbetreuung zum Einsatz: Von der Erklärung, wie ein Strafverfahren verläuft, über das Beantworten von allen Fragen rund um das Gerichtswesen sowie das Einsehen der Akte bis hin zur mentalen Vorbereitung auf den Prozess und die Begleitung währenddessen. „Letztendlich haben wir versucht, der Familie jederzeit das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein“, erklärt Sarah Fickers.

Opferbetreuung hat viele Gesichter

Allein im vergangenen Jahr erreichten 528 neue Akten aus dem Straf-, Opfer- und Zivilbereich das Justizhaus. Als Bindeglied zwischen Staatsanwaltschaft und Opfer betreuen die Mitarbeiterinnen ganz unterschiedliche Fälle. Entweder kommt die Staatsanwaltschaft auf die Opferbetreuung zu oder ein Opfer selbst. Der Begriff „Opfer“ ist in dem Fall rechtlich gesehen weit gefasst: Nicht nur direkte Opfer sind gemeint, sondern auch indirekte Opfer wie Zeugen oder Angehörige sowie stark betroffene Person, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall mit Todesfolge.

Vor, während und nach dem Prozess

Die Zusammenarbeit mit der Opferbetreuung ist immer freiwillig. Wie oft und wie lange sie in Anspruch genommen wird, hängt häufig von der Schwere der Straftat ab, aber auch davon, wie eine Person ganz persönlich eine Straftat empfindet. „Oft erhalten die Opfer schon ein Gefühl der Sicherheit, wenn sie Erklärungen zu dem bekommen, was passiert, und indem sie wissen: Da ist jemand, der kommt mit mir, da ist jemand, der erklärt mir alles, da ist jemand, der rationalisiert und gibt mir dadurch eine Sicherheit in einem Bereich, der mir völlig fremd ist“, so Sarah Fickers.

Häufig tauchen schon vor einem Prozess viele Fragen auf: Wie läuft ein Strafverfahren ab? Was macht ein Staatsanwalt? „Für Menschen, die bislang noch nie etwas mit diesem Bereich zu tun hatten, sind das ganz legitime Fragen. Antworten darauf können oft schon viele Ängste und Sorgen nehmen“, weiß Sarah Fickers. Bei Bedarf werden externe Dienste wie das Beratungs- und Therapiezentrum (BTZ) sowie Prisma hinzugezogen.

Auch während des Prozesses selbst sind die Mitarbeiterinnen an der Seite der Opfer. Die Opferbetreuung endet übrigens nicht automatisch mit dem letzten Verhandlungstag. Auch darüber hinaus können Fragen geklärt werden. Ganz wichtig ist Sarah Fickers in dem Zusammenhang folgende Botschaft: „Wir sind ein Dienst, der kontaktiert werden kann. Hier wird niemand abgewiesen – egal welche Frage oder welchen Bedarf jemand hat!“